Verkehr am Brenner

Verkehrssituation im Alpenraum

Der Querschnitt Brenner ist sowohl im Straßen- als auch im Schienenverkehr der am stärksten befahrene Übergang im gesamten Alpenraum. Das Gütervolumen am Querschnitt Brenner umfasst rund 30 % des gesamten Nord-, Südverkehrs im Alpenbogen. Die transportierte Gesamtgütermenge beträgt rund 45 Mio. Nettotonnen. Davon werden rund 70 % auf der Straße und rund 30 % auf der Schiene transportiert. Insgesamt überqueren den Brennerpass dadurch mehr als zwei Millionen Lkws. Auf der bestehenden Eisenbahnstrecke fahren pro Tag in etwa 240 Züge, davon steht die Hälfte für den Güterverkehr zu Verfügung.

Brenner Eisenbahn

Die bestehende Eisenbahntrasse zwischen Bozen und Innsbruck wurde zwischen 1864 und 1867 von rund 10.000 Arbeitern realisiert. Um die bedeutenden Höhenunterschiede zu bewältigen, musste die Trasse künstlich verlängert werden. Deshalb wurden enge Kehrtunnels in St. Jodok und in Pflersch errichtet.
Trotz umfangreicher Sanierungsarbeiten auf der Südrampe bereits in den 1990er Jahren und auf der Nordrampe im Jahr 2012, verursachen die bestehenden Steigungen auf den 1.370 m hohen Brennerpass heute erhebliche Probleme für den Personen- und vor allem für den Güterverkehr. Die Infrastruktur ist nicht mehr zeitgemäß.

Verkehrspolitik/ Rahmenpolitische Maßnahmen

Die Verkehrsverlagerung entlang des Brennerkorridors von der Straße auf die Schiene setzt länderübergreifende, rahmenpolitische Maßnahmen voraus. Die einzelnen Länder dürfen und müssen Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit setzen, und die Europäische Union muss darauf achten, dass diese Maßnahmen nach EU-Recht nicht diskriminierend sind. Wesentlich dabei ist, dass die Gesundheit der Bevölkerung vor der Freiheit des Warenverkehrs kommt und das EU-Recht nicht das nationale Recht aussetzen kann. Im europäischen Kontext wird deshalb versucht, eine Verlagerung auf umweltfreundlichere Verkehrsträger, insbesondere bei längeren Strecken wie dem Brennerkorridor, zu erreichen.

Aktionsgemeinschaft Brennerbahn

Die Aktionsgemeinschaft Brennerbahn ist ein Zusammenschluss der Provinzen und Länder mit den Handelskammern von Verona, Trient, Bozen, Tirol und Bayern. Durch Netzwerkarbeit in Italien, Österreich und Deutschland sowie in den europäischen Institutionen können Entscheidungen für den Ausbau der Bahn zu Gunsten der Anrainer und der regionalen Wirtschaft beeinflusst werden.

Die Aktionsgemeinschaft setzt sich für die Verbesserung des Schienenverkehrs auf der bestehenden Eisenbahnstrecke München – Verona und für den Bau neuer Streckenabschnitte ein. Die Mitglieder der Aktionsgemeinschaft Brennerbahn treten regelmäßig zu Sitzungen der Fachkommission sowie zur jährlichen Präsidentenkonferenz zusammen.

Brenner Corridor Platform

Die Brenner Corridor Platform (BCP) ist ein international und fachspezifisch besetztes Gremium, in dem Vertreter Deutschlands, Österreichs und Italiens, der Regionen Bayern, Nordtirol, Südtirol, Trentino und Verona, der Eisenbahnbetreiber der drei betroffenen Staaten, der BBT SE und der Aktionsgemeinschaft Brennerbahn vertreten sind.
Um die neue Schienenverbindung über den Brenner optimal zu nutzen, müssen die gesamten Güterströme nördlich und südlich des Brenners verknüpft werden und eine sogenannte „Logistikkette“ bilden. Die BCP erarbeitet hierzu Vorschläge, die von Infrastrukturverbesserungen über den Betrieb von Zugtrassen, das Handling in den Terminals und Interoperabilitätsfragen, Logistik und Umwelt bis zu politischen Maßnahmen reichen.